Donnerstag, 10. September 2009

"Daniela!!"
Das junge Mädchen zuckte zusammen.
'Um Himmels willen, die Eltern scheinen einen Tag früher nach Hause gekommen zu sein....!!!!!'dachte sie
sich voller Schrecken.
"Ja, ich komme schon!"
Der Vater saß in einem der bequemen Fauteuils. Er hatte einen Schlafrock aus weinroter Seide an, der seine
schlanke sportliche Figur betonte. Das graumellierte gewellte Haar war zurückgekämmt und gab dem
markanten Männergesicht eine gewisse Strenge, welche sonst nicht da wäre.
Im Mund hatte er seine geliebte Pfeife und in der Hand hielt er eine Zeitung.
Er war mit seinen fünfundvierzig Jahren ein gutaussehender Mann, dem die Frauen nachliefen und umschwärmten, der aber keine erhörte, obwohl er nicht glücklich in seiner Ehe mit Tina war, welche acht Jahre jünger als ihr Gatte war.
Diese setzte sich soeben in einen Fauteuil neben dem ihres Mannes und schlug die wohlgeformten Beine übereinander. Sie griff lässig in das goldene Zigarettenetui und nahm sich eine Zigarette heraus.
"Würdest Du so freundlich sein und mir die Zigarette anzünden, Liebster?" fragte sie maliziös und leicht tadelnd und lächelte dabei etwas überspannt. Herr Martell kam ihrem Wunsche nach, nickte seiner Tochter kurz zu und vertiefte sich wieder in seine Zeitung.
"Und da ist ja meine Tochter,"spöttelte Tina. "Sie ist auch meine Tochter,"kam es hinter der Zeitung
brummig hervor. "Verzeih mir noch mal, Darling,"flötete Frau Martell und wandte sich ihrer Tochter zu.
"Warum setzt du dich nicht? Du wirst es nötig haben, glaube ich!"
Danni wurde blaß und setzte sich.
"Was fällt dir eigentlich ein, meinem Wunsche, meinem Verbot nicht nachzukommen und dich einfach mit diesem hergelaufenen Kerl zu treffen? Da staunst du, nicht? Nein, nein, Lotte hat dich nicht verraten. Es gibt auch andere Mittel, soetwas herauszubekommen oder glaubst du, ich wäre auf den Kopf gefallen?!!!"
Danni preßte die Handflächen aneinander.
"Glaubst du, wir können es zulassen, daß du einen Hilfsarbeiter heiratest? Wie stellst du dir bloß deine
Zukunft vor? Glaubst du nicht, diese vorübergehende Schwärmerei, die jedes Mädchen in deinem Alter hat, würde euch ernähren??!"
Die Tochte setzte sich kerzengerade hin. Sie spürte, wie ihr heiß und kalt wurde.
"Wir lieben uns, Mama," sagte sie fest.
"Ha, das sagt sich so schnell!! Das, was du für Liebe hältst ist im Grunde nichts als Schwärmerei, das
habe ich auch durchgemacht!"kam es höhnisch von den roten Lippen.
"Was hältst du also von deiner Zukunft?!" "Ich weiß es nicht...." "Was - du weißt es nicht? Du weißt es nicht einmal?!"erklang da die Stimme der Mutter schrill. "Ist dir eigentlich klar, daß dein Vater und ich - daß wir dich enterben müssen, wenn du diesen hergelaufenen stinkigen Arbeiter heiratest? Was für ein Skandal!!!! Nein, daß ich sowas erleben muß! Und ich habe mir immer eingebildet, du hättest einen Stolz, aber da war ich wohl im Irrtum!!"
Daniela biß die Zähne aufeinander.
'Heiraten, den Menschen, den man am meisten liebt, für den man eher stirbt, als ihn ohne weiteres
aufzugeben, für immer mit ihm zusammensein, teilen Freud' und Leid, der einen doch so lieb hat, wie nichts
auf dieser Welt - mein Stefan,'dachte das junge Mädchen flammend und innig zugleich. 'Nur nicht weinen jetzt, nur das nicht, nicht jetzt, nicht vor diesen Menschen, die sich meine Eltern nennen und keine Ahnung von wahrer Liebe haben,'hämmerte sie sich ein.
"Hörst du mir eigentlich zu? Ich strapaziere meine arme, ohnedies angegriffene Stimme und du hörst mir nicht einmal zu. Eine Frechheit sondergleichen ist...."
"Jetzt reicht's mir aber, Tina!" erboste sich nun der Vater und hieb mit voller Wucht die Faust auf die Tischplatte, daß der Aschenbecher ein Stück weiter rückte.
Tina Martell, der es für einen Augenblick die Sprache verschlagen hatte, empörte sich:"Aber ... aber Rudolf, was soll das..." "Meine Liebe, du erregst dich immer zu sehr, das schadet deinen Nerven. Daniela, deine Mutter hat im Grunde genommen recht. Du wirst einmal ein riesiges Vermögen erben, Kind, und unser Werk braucht einen würdigen Nachfolger, einen standesgemäßen Verteter und zukünftigen Ehemann von dir."
Der Vater strich sich nachdenklich über seinen Vollbart, dann sprach er weiter:" Ich werde nicht ewig leben und du mußt an die Tradition und an das, was du unserer Familie schuldig bist, denken, nicht an dich und schon gar nicht an diesen Stefan Laß' es als ein Abenteuer, als eine Lehre an dir vorüber gehen, das ist das einzig Vernünftige, mein Kind. Hm, vielleicht hast du dich wirklich in ihn verliebt, er sieht aber doch nur auf dein Geld!"
Daniela sprang empört auf. "Papa!"
"Setz dich wieder hin - so, und nun höre mir weiter zu. Es ist nicht immer angebracht, der Vernunft zu folgen, aber in deinem Fall ist es sogar -sagen wir- notwendig. Denk doch mal darüber nach und du wirst mir recht geben!" Der Vater stand auf und setzte sich auf die Armlehne von Danielas Fauteuil.
"Mädchen, glaub' mir, ich versteh' dich gut," murmelte er und fügte mit einem Blick auf das gelangweilte Gesicht seiner schönen Gattin hinzu:"Ich verstehe dich nur zu gut!"
Da preßte Danni die Fäuste voll innerer Qual auf ihren Mund, doch die Tränen, die ihr nun über die Wangen liefen, konnte sie nicht verhindern.
Es kam ihr vor, als hörte sie Stefans Stimme unendlich weit von ihr entfernt sagen:'Nicht weinen, kleine Danni, ich will keine Tränen sehen, Liebes!' "Hilf mir, Stefan, hilf mir,"kam es da ungewollt über die bebenden Lippen.
"So ein Theater," murmelte Tina Martell verächtlich und erhob sich.
-------------------------------------------------------------------------
 
Fortsetzung folgt

Kommentare:

  1. Gleich wieder alles in einem gelesen - und jetzt liest es sich viel besser!!!!

    Willst du ein Buch daraus machen?

    Du schreibst wirklich aus vollem Herzen...

    Ein schönes Wochenende für dich, du Liebe

    LG, Rachel

    AntwortenLöschen
  2. liebe luna, erst einmal möchte ich mich über deinen so schönen kommentar auf meinem blog bedanken. du hast deine gedanken so toll geäußert - und ich kann alles nachvollziehen. auch ich hatte/habe maße von ganz dünn bis etwas mollig. nun bin ich bei dem "etwas mollig" angelangt. erst kurz, seit den wechseljahren, habe ich etwas zugelegt ... nun ja, inzwischen habe ich mich (und ich hoffe auch meine umwelt ;)) daran gewöhnt und "kasteie" mich in keinster weise - lebe "nur" halt gesund und vernünftig. (strebe es jedenfalls an).

    ich habe ein wenig in deiner geschichte gelesen, bin aber leider noch immer nicht durch ... *schäm* - aber morgen werde ich zeit haben (heute kommt wieder besuch!) - dann schreib ich noch mehr meine gedanken dazu.

    du hast eine gute, bildhafte sprache, soweit ich das jetzt sehen konnte. bis bald! ♥

    AntwortenLöschen