Freitag, 18. September 2009

"Mein Lieb! Ich bin ja so froh, daß ich dich habe. Hier, bitte, lese den Brief, den meine Mum geschrieben hat, als...." Seine Stumme erstarb im Kummer um die verlorene Mutter und er reichte ihr das Kuvert mit den letzten Zeilen, das Danni zögernd nahm und dann las.
Tränen kullerten ihr dabei aus den Augen vor Rührung.
Wenig später erhoben sie sich und gingen engumschlungen durch die Natur.
Es war noch Sommer und die Vögel sangen und überall leuchteten Blumen in den herrlichsten Farben.
Schmetterlinge flogen anmutig im hellen Sonnenschein, der Himmel war ein einzig Blau, nur hinter den
Bergen zogen dunkle Wolken auf.
Bienen summten und die Bäume rauschten im Wind.
"Ein Bild des Friedens, wie für einen Maler geschaffen,"murmelte Danni.
Stefan blieb stehen und deutete ihr, es ihm gleich zu tun.
"Liebes, ruhig, schau - dort,"er zeigte in eine bestimmte Richtung und hielt das Mädchen mit der dunklen Folklorebluse und der hübschen Jeans am Arm zurück,"siehst du es? Mein Gott, ist das nicht schön?"
Ein Reh mit seinem Kitz stand etwas entfernt in einer Waldschneise und sah sich mit großen Augen aufmerksam um, ob nicht irgendwo Gefahr lauerte. Dann hatte es die beiden jungen Menschen wohl gewittert, denn es sprang davon, in das Walddickicht, gefolgt von ihrem süßen Kitz.
"Eine Mutter mit ihrem Kind - könnte sie es zärtlicher umsorgen und lieben als dieses schöne Tier, Danni?!"
"Stefan, denk' nicht immerzu daran, Liebster, du!"flüsterte sie und schmiegte sich fest in seine Arme.
"Danni, hätte ich dich jetzt nicht!"
Sie strich ihm voll Liebe über das kantige Gesicht.
"Heute ist doch Samstag, nicht wahr?"fragte er.
Sie nickte. "Danni..." Er wollte etwas sagen, aber sie unterbrach ihn mit einer Handbewegung.
"Stefan - es kommt ein Gewitter auf - siehst du - dort, die Wolken. Ich kenne das, ich bin ja schon so oft hier gewesen. Komm', oben auf dem Hügel ist eine Hütte, die unsere Sennerin manchmal benützt, wenn sie auf die Sennerhütte hochsteigt. Komm', rasch, die Gewitter hier sind schneller, als man glaubt, rasch, Stefan!"
Sie nahm ihn bei der Hand und eilig stiegen sie den Hügel hoch.
Bald hatten sie eine Abzweigung erreicht, die den holprigen steilen Weg gabelte.
"Komm', jetzt links!"
Es ging weiter ziemlich steil bergauf.
Als die ersten Tropfen bereits fielen und ein unterdrücktes Grollen zu hören war, erreichten sie atemlos die Holzhütte.
"Sie ist niemals abgesperrt, weißt du? Wie du siehst, es hat seine guten Gründe, warum,"erklärte Danni und sie betraten die einfache Behausung.
Die Einrichtung bestand aus einem klobigen Holztisch, zwei wackeligen Stühlen, in deren Lehnen Herzen geschnitzt waren, einer Kommode, auf welcher eine Waschschüssel stand und einer Kanne, beide aus weißem Email, und einer langen Holzbank, auf der einige Wolldecken gestapelt waren.
Man merkte sogleich, daß alles selbst gezimmert war.
"Das hat alles unser Johannes fabriziert, als er noch mit seiner Magda Senner oben auf der großen Hütte war.
Es ist soviel zusammen gekommen in der Zeit, daß es auch für die kleine Hütte hier reichte,"meinte Danni und suchte in einer Kommodenlade nach Streichhölzern.
Es war nun beinahe finster geworden und herinnen sah man fast gar nichts mehr.
"Wie es nur so schnell dunkel werden kann tagsüber,"wunderte sich Stefan und schüttelte etwas verlegen lächelnd den Kopf.
Danni hatte inzwischen eine Kerze angezündet, welche am Tisch in einem blechernen Teller stand.
Draußen pfiff nun der Wind, ein Sturm kam auf und peitschte den Regen gegen das Hüttenfenster, dessen Läden wiederum klapperten.
Danni fröstelte etwas in ihrer dünnen Bluse. Sie blickte zu Stefan, der ihr deutete, sie solle zu ihm kommen und so schmiegte sie sich zu ihm auf die Bank.
"Danni, hast' etwa Angst?"flüsterte er und nahm ihre kalte Hand in seine warme.
"Ohja, ein...ein bißchen schon, Stefan. Du weißt nicht, wie arg die Gewitter hier oben sein können."
Da blitzte es und wenig später krachte es ganz fürchterlich.
Danni zuckte zitternd zusammen.
Sie wußte, daß es nicht nur die Furcht vor dem Gewitter war.....

Fortsetzung folgt
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Kommentare:

  1. liebe luna,
    dein posting bei mir hat mich ganz nachdenklich werden lassen. ich habe nicht vor augen gehabt, dass du zum zeitpunkt des schreibens erst 16 jahre alt warst, und in diesen zeilen dein damaliger so eigener ideenreichtum steckt.

    bitte entschuldige, dass ich so fahrlässig war ... ich habe es nicht beachtet.

    unter diesen gesichtspunkt verstehe ich völlig, dass du das flair, welches in diese erzählung gepackt wurde, nicht zerstören möchtest.

    und du hast sehr recht damit: das, was man empfindet, was in einem steckt und was einen ausmacht, sollte man sich nicht "klug" zerreden lassen ...

    ich grüße dich herzlich und wünsche dir ein frohes, schaffenreiches wochenende,
    liv.

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  2. ... es muss natürlich unter DIESEM gesichtspunkt heißen ...

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